Dona nobis pacem - Gib uns Frieden
Dona nobis pacem - Gib uns Frieden
Gib uns Frieden, eine alte Forderung und jedem von uns bekannt. Bach, Beethoven und Mozart, von denen wir sagen, sie waren die größten deutschen Komponisten, haben sich an diesem Thema versucht. Ihre Bitte auf Latein wurde erhört. Wir sind heute aus den unterschiedlichsten Anlässen für diese Bitten begeistert. Sie waren Untertanen ihrer Fürsten und Kaiser, und Bürger des Heiligen Römischen Reiches.
1989, im Sommer, sangen wir den Kanon nach einer Ausstellungseröffnung einer Galerie in Annaberg, im Freien einer Gartenanlage. Erst einstimmig, dann zweistimmig, dann mit drei Stimmen, wir mussten üben, im Gesang von Kirchenliedern ungeübt, mutiger geworden, gelang es schließlich gut. Ein Bürger dieser Stadt, der mir bekannt war, zeigte angesichts der lustigen Klänge, welche eine Gartenanlage gewöhnt ist, der anspruchsvollen Musik wegen, uns sein nacktes Hinterteil. Da war nur für den einen Moment der Frieden in Gefahr. Aber jedem war bewusst, das nicht alle wissen, was für die Zukunft wichtiger war, der Widerstand gegen die etablierten Kulturschaffenden oder das Aufbegehren derselben gegen eingefahrene Gleise staatlichen Kulturbetriebes.
Ein halbes Jahr später, schrieb man in Deutschland wieder einmal den 9. November. 1848 wurde Robert Blum in Wien standrechtlich erschossen, 1918 die Ausrufung der Republik durch Scheidemann als Folge die Novemberrevolution, 1923 der Hitler-Ludendorf-Putsch, 1938 die so benannte Reichskristallnacht, 1989 der Beginn der Wiedervereinigung Deutschlands durch die Grenzöffnung von Ost nach West. Kein Mauerfall. Das Volk errichtete sie Stein für Stein und Stunde für Stunde, für die Sünden der falschen Entscheidungen ihrer Politiker und trug sie auch wieder ab. Darin liegt eine Verpflichtung unserer Regierenden gegenüber ihrem Volk. Zu oft ist das heute wieder und wieder und abermals wieder dieses ihrem Vergessen anheim gestellt.
Heute, am 9.November 2013 liest man in der Zeitung, daß der evangelische Pfarrer, der Bürgerrechtler, der Bundespräsident es vermieden hat das “Dona nobis pacem” mitzusingen.
Angestimmt wurde es nicht von Katholiken, sondern von einer evangelischen Pfarrerin, gedacht war es an diesem Tag der Zerstörung der Synagoge in Eberswalde 1938. Nicht nur die Anwesenden wurden in das Lied einbezogen, auch alle anderen Mitbürger, denn das Frieden halten kann nicht nur auf die Bitte vertrauen, sondern auf das Mittun aller, den katholischen, den evangelischen und den jüdischen Gläubigen, wie auch den atheistischen oder weltanschaulich verpflichteten Menschen, keiner soll außen vor bleiben.
Es sage mir keiner, der Pastor wäre des Singens nicht mächtig, die Gründe seiner Enthaltsamkeit Staatsräson. Alle seine bisher geäußerten Worte wären eine Lüge.
Einer Europäischen Union steht diese alte gesungene Weisheit als Kanon besonders gut zu Gesicht.
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